Rundbrief 9 (Hl. Matthäus 1987)
     

 

 

Das andere Evangelium

 

"Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, ..." - gleich dreimal hintereinander schreibt das der Heilige Paulus an die Galater (1,6-9). Was ist wohl dieses "andere Evangelium"? Paulus beantwortet diese Frage im Vers 10: "Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Diener Christi." Menschlich ist es, wenn man will, daß die Leute Gutes über einen denken, und ihnen daher sagt, was sie gerne hören. Aber die Bibel nennt das "Ohrenkitzel" (2.Tim. 4,3). Denn Christi Botschaft ist nicht menschlich, sondern von Gott! (Gal. 1,11)

Es ist sicher nicht leicht, den Menschen auch Dinge zu sagen, die sie nicht gerne hören. Sogar der Heilige Paulus - sicher kein Feigling! - mußte die Epheser bitten, für ihn zu beten, damit er das Evangelium mit Freimut verkündet (Eph. 6,19).

Was war denn nun diese Botschaft Jesu - in kürzester Form?
1. Bekehrt euch, glaubt, tut Gutes, dann kommt ihr in den Himmel und
2. wenn ihr das nicht tut, dann kommt ihr auf ewig in die Hölle (zum Beispiel beim Missionsauftrag in Mark. 16,15 f).

Sosehr Jesus die Sünder liebte, so energisch trat Er gegen die Sünde auf!

Manchmal aus Feigheit und manchmal um Menschen zu gefallen, wird heute der zweite Teil der Lehre Christi oft verschwiegen. Dafür nur ein Beispiel: Man hört heute zwar viel über die Apartheid, den 8. Dezember, die "soziale Sünde" und ähnliches. Daß aber viele "Gläubige" mit der Pille (die teilweise abtreibende Wirkung hat) ihre eigenen Kinder töten, diese Tatsache ist wohl den meisten Katholiken in unserem Land unbekannt. Auch wenn die weltlichen Gesetze dies nicht verbieten, bleibt "Tötung" menschlichen Lebens nach Gottes Gesetzen Mord! Durch diese  Verschwiegenheit der "Verkündiger" wird den Menschen ein sehr schlechter Dienst erwiesen, denn viele laufen ins Verderben (vergl. EZ.3 oder 33). Hier erhält das Wort Jesu neue Aktualität: "Ihr selbst kommt nicht hinein, und die anderen hindert ihr, hineinzugehen" (Matt. 23,13) - gemeint ist der Himmel. Und selbst wenn sich tausende Theologen gegenseitig versichern, es gibt keine Hölle, wird Gott sich beim Gericht doch nicht nach ihnen richten. Bereits im Alten Testament hat es viele "Propheten nach dem Willen des Volkes" gegeben. Die Propheten Gottes haben dagegen immer schon Anfeindungen erleiden müssen.

Nach Jesu Predigten heißt es oft, "das Volk entsetzte sich" (zum Beispiel Matt. 7,28; 12,23; 13,54; 22,33 usw.). Ein Grund dafür war sicher, daß die Leute erkannten, es geht um ihr ewiges Leben oder um ihre ewige Verdammnis. Christus hat es übrigens vermieden, über die böse Besatzungsmacht Rom zu sprechen, sondern hat immer nur von der persönlichen Schuld des Menschen gesprochen. Heute redet und schreibt man lieber über Großgrundbesitzer, Atomkraftwerke, Autobahnen, usw. Ich kenne aber niemanden, der sich bei dieser Art von "Verkündigung" schon bekehrt hat - "an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen" (Matt.7,15 f).

Würde Jesus (oder z.B. Paulus) heute leben, dann würde man Seiner Predigt sicher große Lieblosigkeit vorwerfen!

Ich lade Sie ein, lieber Leser, wieder einmal die HI. Schrift zur Hand zu nehmen und darüber nachzudenken, ob Ihr Bild von Jesus vielleicht doch nicht ganz der Wirklichkeit entspricht, sondern mehr von der öffentlichen Meinung geprägt ist:
1. Wie hat Christus mit den unwürdigen geistlichen Führern des Volkes (damals die Pharisäer und Schriftgelehrten) gesprochen (z.B. Matt. 23)?
2. Was hat Er mit den Verkäufern und Käufern im Gotteshaus gemacht? - Heute haben wir noch ganz andere "Vorfälle" in unseren Kirchen (Matt. 21,12)!
3. Wie oft hat Er von der ewigen Verdammnis gesprochen (z.B.Matt.7,13; 23,33)?
4. Was hat Er darüber gesagt, als man Ihn fragte, wie viele Menschen in den Himmel kommen (z.B. Luk.13,23 ff)?
5. Welche Ämter hat Er den Frauen übertragen, die Ihn begleiteten (Luk.8.3)?
6. Hat Er bei Seiner Predigt darauf Rücksicht genommen, was sich die Menschen von Ihm oder von Seinen Worten denken (z.B. Joh.6,60 ff)? Immerhin sind wir ja aufgerufen, Christus nachzufolgen und Seine Botschaft zu verkünden! Hat nicht auch der Heilige Paulus auf die Mißstände in seinen Gemeinden sehr deutlich hingewiesen - oder hat er dazu geschwiegen (z.B. 1. Kor.)?

Danken wir Gott, daß unser Heiliger Vater den Mut hat, die volle Wahrheit zu verkünden, und bitten wir Gott, daß Er auch unseren Bischöfen und Priestern den Mut und die Kraft dazu gibt, das volle Evangelium Christi zu lehren. Dann wird Seine Kirche wieder in hellem Licht erstrahlen!

 

 

 

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