Rundbrief 8 (Hl. Ignatius 1987)
     

 

 

Die oberösterreichische Diözesanversammlung


Die normale katholische Lehre (=Glaubensweitergabe) ist in der HI. Schrift, den Dogmen, den Enzykliken, den Konzilstexten und - speziell für Österreich - in der Papst rede beim Ad-Limina-Besuch klar und deutlich enthalten. Daher erweckt eine derartige Veranstaltung den Verdacht, daß man in unserer Diözese einen von der allgemeinen Kirche abweichenden Glauben entwickeln will. Sonst wäre sie ja völlig unnötig. Liest man die Dokumentation der letzten Diözesanversammlung, dann wird dieser Verdacht leider mehrfach bestätigt. Es gibt darin zwar viele Wahrheiten, aber diese sind fein gemischt mit zumindest sehr eigenartigen Aussagen. Dazu kommentarlos einige Beispiele:

"Angebot einer (Er-)Lösung durch geübte Nächstenliebe"

"Reich Gottes in der Welt entdecken"

"Probeehe - gute Motive anerkennen, Heimrecht in der Kirche"

"Glaubensverkündigung kann nur über die Jungen geschehen"

"Wir sollten uns mehr um die annehmen, die treu sind, sonst werden auch sie fern stehend"

"Das Ja zum Kreuz ist das Wesentliche unseres Glaubens"

"Religionslehrer verkünden oft das genaue Gegenteil von dem, was der Pfarrer verkündet"

"Gottesdienst heißt, Gott dient uns"

"Heute haben wir eine Inflation der Eucharistie"

"Priester dürfen als Religionslehrer Laien nicht den Arbeitsplatz wegnehmen"

"In der Arbeiterjugend nur mehr Restbestände des Christentums"

"Warum wird das Scheidungsverbot ... nicht als Zielgebot betrachtet?"

"Diözesanhaus wie ein riesiger Wasserkopf - und die anderen Glieder tun nicht mehr mit"


Es gab aber auch einige ganz interessante Abstimmungen. Dabei sind nicht nur die Ergebnisse wichtig, sondern mehr die Tatsache, daß in unserer Diözese über solche Themen abgestimmt wird. Will man da vielleicht naiven Teilnehmern einreden, sie sind dazu berufen, demokratisch die Linie unserer Kirche zu verändern? - Gott bewahre uns davor! So erhielt unser Militärbischof leider 11 : 0 Schlechtpunkte. Unseren Präsenzdienern gönnt man eben keinen eigenen Bischof. Oder will man damit nur den Boden für die Proteste bei der nächsten Bischofsernennung bereiten? Unter anderem wurde darüber diskutiert und abgestimmt, ob man den Zölibat abschaffen sollte. Welch Glück für Oberösterreich, daß die Befürworter (diesmal noch?) die Nase vorne hatten. Was wäre sonst wohl geschehen?

Über die Linzer Kirchenzeitung meinten drei, daß die Linie OK ist. Daß sie mehr zur Glaubensverkündigung helfen sollte, meinten immerhin 14. Aber leider wurden diese von 21 anderen überstimmt, die für weniger (!) Glaubensverkündigung eintraten. Wer die LKZ kennt - in der ohnehin nur eine Seite den Titel 'Glaube' trägt -, sieht hier deutlich, wohin in der Kirche demokratische Spielregeln führen können.

Ich denke, aus diesen paar Beispielen sieht man deutlich, daß einfach jemand fehlt, der die Unterscheidung trifft, was wahr und was falsch ist. Meines Wissens ist es die Aufgabe des Bischofs und der Priester, die wahre Lehre zu verkünden. Doch in unserer Diözese scheinen die Aufgaben etwas anders verteilt zu sein: Obwohl von den über 200 Delegierten der weitaus größte Teil Priester waren, wurden 13 von 19 Ausschüssen von Laien (davon einige Frauen) geleitet.

Zu "Laien": Die meisten Theologiestudenten entscheiden sich für mehr Freizeit, mehr Geld und mehr Freiheit (kein Zölibat), lassen sich aber gerne von der Kirche anstellen. Sitzen die dann in unserer Diözese über den Priestern?

Zu "Frauen": Damit richtet sich unsere Diözese zwar vielleicht nach dem Zeit-(Un)Geist, aber sie verstößt gegen das Wort Gottes, gegen die Lehre der Kirche und wider die Natur (abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, die direkt von Gott einen begrenzten(!) Auftrag erhielten). Besonders aber gegen Christus, der ja die Würde der Frau hervorhob, und doch keine einzige Frau als Apostel berief. Nicht einmal von der Himmelskönigin Maria ist bekannt, daß sie einmal eine Diskussion der Apostel geleitet hätte!

Noch eine andere Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: Ist die katholische Kirche in OÖ. bereits ein Geheimbund? Haben die Oberlaien schon soviel Macht, daß sie die Priester kontrollieren? Mein Vater - er meint, seit 64 Jahren Mitglied unserer Kirche zu sein - wollte den Teilnehmern der letzten Diözesanversammlung einen Brief schreiben. Als er im Pastoralamt um eine Teilnehmerliste bat, wurde ihm diese zunächst zugesagt, dann aber plötzlich verweigert. Zuletzt von Herrn Dr. Holley (ich nehme an, er ist etwas jünger) mit dem unwahren Hinweis auf den "Datenschutz"! Wer entscheidet hier, von wem die Teilnehmer Informationen erhalten dürfen, und von wem nicht?

Wenn der Bischof und die Priester bei dieser Entwicklung zuschauen, dann ist das falsche Demut! Die Verantwortung für das Volk kann ihnen weder eine Frau noch ein Oberlaie abnehmen. Ich denke, auch heute sind Begriffe wie "Hirte", "Herde", "Lehrer" oder "Wächter" noch verständlich und eindeutig.

Ein wichtiges Thema aber fehlte bei der letzten Diözesanversammlung: Will man sich in der Diözese Linz weiterhin gegen die Lehre unserer Kirche stellen? Ich meine damit z. B.: Kommunion für Wiederverheiratete, Frauen-/Laien-Predigten, die Pille, Schweigen zum 1000-fachen Kindermord, Ministrantinnen, willkürliche Umgestaltung von Messen, uvam.


In unseren Gemeinden und Predigten fehlt jedoch nur folgendes:

1. Wir müssen wieder anfangen, über Christus, den Gekreuzigten, zu reden.

2. Wir müssen wieder danach fragen (und das tun!), was Gott von uns will, und nicht, was Menschen in den Ohren kitzelt. Das könnte unter Umständen sogar einmal gegen die Mehrheit des Volkes sein!

Dadurch würden sich alle Probleme unserer Kirche in Luft auflösen. Beten wir gemeinsam, daß unsere Hirten dafür die Kraft und den Mut bekommen!

 

 

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