Rundbrief 7 (Pfingsten 1987)
     

 

 

KONSERVATIV ODER LIBERAL?

 

 

So passend diese (weltliche) Unterscheidung für die politische Einstellung sein mag, so irreführend ist sie, wenn man versucht, sie für den Glauben anzuwenden.  Um dies nachzuweisen, brauchen wir zunächst nur zwei Begriffe definieren:

 

  • "konservativ": will das positive "Alte" bewahren (konservieren) und
  • "Erneuerung" : will das positive "Alte" wiederherstellen.

Wir sehen, daß die Bedeutung dieser beiden Begriffe sehr ähnlich ist. Doch wie leicht kommen wir damit in Schwierigkeiten, denn die meisten Mitglieder der Erneuerungsbewegung wehren sich ganz energisch dagegen, "konservativ" zu sein.

Die Unterscheidung im Glauben liegt auf einer ganz anderen Ebene, und zwar quer durch alle Gruppierungen, quer durch Priester wie Laien, z.B.:

  • Der eine glaubt an die Auferstehung, der andere nicht.

 

  • Einer glaubt an die Evangelien als Tatsachenberichte, der andere nicht.

 

  • Einer versucht, sein Leben nach den Geboten auszurichten, der andere, die Gebote an die "Praxis" anzupassen.
    Zum Beispiel die "Pille": Sie hat zu einem großen Teil abtreibende (= mordende) Wirkung. Und zwar nicht nur die "Pille danach" (siehe Anlage aus "Der Fels" 1/86). Die Pille wird aber von vielen "Christen" (Priestern wie Laien) als durchaus zulässiges Mittel zur Geburten-"Regelung" gesehen bzw. verwendet. Viele fordern hier von der Kirche, endlich ihre "altmodischen" Ansichten zu revidieren, also Mord nicht mehr "Mord" zu nennen. Oder gleich die sogenannte "Schwangerschaftsunterbrechung": Ein mir bekanntes junges Mädchen, das jeden Sonntag in ihrer Kirche eine Predigt hört, lieh ihrer bankrotten Freundin das Geld für einen Kindermord. Sie meinte dabei zunächst, christlich zu handeln. Als sie begann, darüber nachzudenken, war es bereits zu spät. Plötzlich wurde ihr bewußt, daß sie damit Beihilfe zum Mord geleistet hatte. Haben dies vielleicht auch die Prediger in ihrer Pfarre? Eventuell sollte man überlegen, ob man nicht einmal eine Predigt über Umweltschutz, Friedensbewegung, böse Großgrundbesitzer oder Apartheid weniger hält, und dafür einmal Gottes Sicht über den Mord von Müttern an ihren eigenen Kindern darlegt.

 

  • Einer fragt nach dem Willen Gottes, der andere sucht die Zustimmung der Menschen {beides ist laut Christus unvereinbar!}

 

  • Einer meint, Christus hat nur "vergessen", Seine Kirche demokratisch aufzubauen, der andere, Er hat sie bewußt hierarchisch aufgebaut. In der Bibel gibt es kein einziges Beispiel von Demokratie, obwohl es diese damals längst gegeben hat!

 

  • Einer meint, das Lehramt und der ihm gebührende Gehorsam sind Grundpfeiler unserer katholischen Kirche; ein anderer meint, er braucht beides nicht, weil er den "Heiligen Geist" hat {leider handelt es sich dabei aber praktisch immer um den eigenen Vogel} .

 

  • Einer glaubt, .die heilige Maria kann uns auf unserem Weg zu Gott helfen und beschützen; ein anderer meint, wir sind heute so schlau, daß wir diesen 2000 Jahre alten Ballast endlich abschütteln sollten.

Ganz offensichtlich ist diese Unterscheidung: im Glaubensleben viel griffiger als die "weltliche".

Gott ist weder konservativ noch liberal oder fortschrittlich. Er ist und bleibt ewig der Selbe! Und die Aufgabe unseres Lebens ist es, Ihn zu suchen und Ihm nachzufolgen.

Herbert Lindner jun.

 

 

 

 

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