Rundbrief Nr. 61  

 

Die Handkommunion

von Dr. Felix Bentz*

 

Ein (fast) unbekanntes Dokument und seine Folgen

 

Die römische Instruktion "Memoriale Domini" (über die Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion) trägt das Datum vom 29. Mai 1969. Sie ist unterschrieben von Benno Kardinal Gut als Präfekt der Gottesdienstkongre-gation und Annibale Bugnini als Sekretär. Die Approbation Pauls VI. erfolgte am 28. Mai.

Nach einer liturgie- und dogmengeschichtlichen Einleitung, welche besonders den Glauben an die Realpräsenz (Gegenwart) Christi auch in den kleinen Teilchen der eucharistischen Gestalten und die Notwendigkeit, den überlieferten Kommunionritus (der Mundkommunion) zu bewahren, betont, heißt es in diesem Dokument: "Weil einige wenige Bischofskonferenzen und einige einzelne Bischöfe gewünscht haben, daß in ihren Gebieten der Brauch zugelassen werde, das konsekrierte Brot in die Hand der Christgläubigen zu legen, hat der Heilige Vater angeordnet, daß alle Bischöfe der gesamten lateinischen Kirche befragt werden sollen, was sie von der Angebrachtheit der Einführung eines solchen Ritus halten. Eine Änderung nämlich in einer Sache von solcher Tragweite, die sich außerdem auf sehr alte, ehrwürdige Überlieferung stützt, berührt nicht nur die Disziplin, sondern bringt die Gefahr mit sich, daß aus der neuen Weise der Austeilung der Hl. Kommunion die Ehrfurcht dem erhabenen Sakrament des Altares gegenüber verringert werden könnte, oder daß zu befürchten wäre, daß Sakrilegien geschehen, oder aber, daß die rechte Lehre verfälscht wird. Aus diesem Grunde wurden den Bischöfen drei Fragen vorgelegt, auf die bis zum 12. März dieses Jahres (1969) folgende Antworten gegeben wurden."

Es folgen nun die drei Fragen mit den Abstimmungsergeb-nissen seitens der Bischöfe. Nun heißt es weiter: "Aus den eingegangenen Antworten ist also klar, daß die weit größere Mehrheit der Bischöfe der Auffassung ist, daß man die gegenwärtige Disziplin keinesfalls ändern soll. Wenn diese geändert werden sollte, wird dies dem Empfinden wie dem Geist der Anbetung derselben Bischöfe und vieler Gläubiger Ärgernis bereiten. Aus diesem Grunde sah der Heilige Vater - unter Beachtung der Bemerkungen und der Ratschläge derer, die vom Hl. Geist als Bischöfe eingesetzt sind, die Kirche zu leiten - unter Beachtung der Bedeutung der Sache und des Gewichtes der vorgebrachten Gründe - es als nicht angebracht an, die herkömmliche Weise der Austeilung der Hl. Kommunion zu ändern. Aus diesem Grunde ermahnt der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck, dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen: Sei es, weil diese Entscheidung auf dem Urteil des größeren Teiles des katholischen Episkopates gründet, sei es, weil der gegenwärtige Ritus der heiligen Liturgie dies so vorsieht, sei es schließlich, weil das gemeinsame Wohl der Gesamtkirche zu berücksichtigen ist."

Ein widersprüchlicher Zusatz - Einfallstor für den Umbruch

 

Das Dokument findet hier eigentlich seinen klaren Abschluß. Nun folgt aber ein offenbar später hinzugefügter Absatz, der in der Praxis das Einfallstor für das Gegenteil des vorher Angeordneten wurde: "Wenn aber irgendwo der entgegengesetzte Brauch, nämlich, die Hl. Kommunion in die Hand zu legen, schon überhand genommen hat, wird der Apostolische Stuhl, um den Bischofskonferenzen in der Erfüllung ihres pastoralen Amtes zu helfen, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen erschwerten Lage der Dinge, diesen Bischofskonferenzen die Last und den Auftrag erteilen, die besonderen Umstände - wenn solche vorhanden sind - zu erwägen, jedoch unter der Bedingung, daß jede Gefahr, sei es der Verringerung der Ehrfurcht, sei es die des Einreißens falscher Meinungen von der Heiligsten Eucharistie, abgewehrt wird und unter der Bedingung sorgfältiger Beseitigung auch der übrigen Unzukömmlichkeiten. In solchen Fällen, um den neuen Brauch richtig zu ordnen, sollen die Beschlußkonferenzen nach kluger Prüfung die angebrachten Entscheidungen fällen, die in geheimer Abstimmung mit 2/3 Mehrheit zu beschließen sind. Diese Entscheidungen sind dann dem Hl. Stuhl für die notwendige Bestätigung mit der genauen Angabe der Gründe, die zu ihnen geführt haben, zu unterbreiten. Der Hl. Stuhl wird jeden einzelnen Fall genau erwägen ..."

Das Ergebnis ist bekannt. So wie Dominosteine der Reihe nach fallen, so wie eine Türe, einen Spalt geöffnet, durch den Wind aufgerissen wird, wurde die Handkommunion der Reihe nach in allen westeuropäischen Ländern eingeführt, und ist die Praxis der Mundkommunion weitgehend verschwunden. Auch die italienische Bischofskonferenz schaffte es nach Jahren im dritten Anlauf, bei der dritten Abstimmung.

Welche Erklärung gibt es für den folgenschweren Widerspruch zwischen dem Hauptteil und dem Anhang im obigen Dokument? Gemäß der Aussage eines absolut zuverlässigen, mir bekannten Zeitzeugen war Kardinal Döpfner von München kurz vor Erscheinen der Instruktion "Memoriale Domini" bei Papst Paul VI. und konnte mit massiver Intervention obigen Zusatz erreichen. Drei Monate vor Erscheinen des Dokumentes hatte sich Kardinal Gut dem Papst zu Füßen geworfen und dringend gebeten, an der Kommunionpraxis nichts zu ändern. Der Papst hob ihn gütig auf und versicherte, es bleibe alles beim alten. Tatsache ist, daß die traditionelle Form der Kommunion-spendung zugunsten der Handkommunion weitgehend verschwunden ist.

Eine verräterische kleine Änderung

 

Am 3. April 1985 erließ die Gottesdienstkongregation eine "Notificatio", sozusagen Ausführungsbestimmungen zur Handkommunion. Hier wird die Anweisung aus der 5. mystagogischen Katechese des Heiligen Cyril von Jerusalem (gestorben 386) zitiert, "beide Hände so zu halten, daß die linke Hand einen Thron für die rechte Hand bildet, denn diese empfängt den König." So sollten es nun die Empfänger der Handkommunion von heute auch machen. Allerdings wird in dem Dokument auf eine Anmerkung verwiesen, in der es heißt: "Praktisch muß man die Gläubigen heute das Gegenteil lehren: die linke Hand muß auf der rechten liegen, damit die Hostie leichter mit der rechten Hand zum Mund geführt werden kann." Eine eigenartige Anmerkung, denn die Leute damals waren ebenso wenig Linkshänder wie heute. Genau diese Stelle ist der Beweis, daß die konsekrierte Hostie in der frühen Kirche von den Gläubigen nicht ergriffen, sondern mit dem Mund sorgfältig aufgenommen wurde. Die Hand war vielfach noch durch ein spezielles Tüchlein bedeckt, das sogenannte "Dominicale".

Die geschichtliche Entwicklung

 

Im semitischen Kulturbereich gab es zur Zeit Jesu bei einem Gastmahl kein "Reichen der Speise in die Hand". "Wollte der Gastgeber einen Gast besonders ehren, ergriff er ein Stück Speise und reichte es dem Gast in den Mund" (Alois Friedrich, in Una-Voce-Korrespondenz, März/April 1975, S 112). Christus reichte dem Judas den eingetauchten Bissen (Joh. 13, 26 f.; nicht die Eucharistie) - auf die Hand ist dies wohl nicht gut möglich. Damit ist aber auch klar, wie Christus den Aposteln die eucharistische Speise reichte (Lk. 22, 19). Der hl. Papst Sixtus I. (117 - 126), der als siebter Papst 50 Jahre nach dem hl. Petrus regierte, "brachte nachdrücklich die apostolischen Regeln in Erinnerung, indem er festsetzte, daß allein Diener des Kultes, die Priester, die heiligen Geheimnisse berühren dürfen" (Sixtus I. in Reg. Pontificium, p. 919, zit. nach K. Schultes, Der neue Tag, Bl. des kath. Glaubens III, Altötting 1989, S 16). Verschiedene Umstände führten im 3. Jahrhundert zu einer Art Handkommunion, bei der das eucharistische Brot zwar in die Hand gelegt, aber von den Kommunikanten nicht ergriffen, sondern vielmehr sorgfältig mit dem Mund aufgenommen wurde. Die Hand war vielfach noch mit einem Tüchlein bedeckt. Die altchristliche Disziplin, Heiliges, besonders aber das Allerheiligste, nicht mit den Händen zu berühren, ist durch eine Reihe von Bildern (Reliefs) gut belegt. Ich habe selbst ein solches Relief auf einem Sarkophag von etwa 300 n. Chr., also noch aus der Verfolgungszeit, gesehen (in einer nicht allgemein zugänglichen Katakombe).

Nach dem Sieg des Christentums unter Kaiser Konstantin (313) setzte eine religiöse Verflachung ein; der arianische Irrglaube erfaßte im 4. Jahrhundert den größeren Teil der Bischöfe und der Kirche. Dies dürfte zu einer (be-schränkten) Form der Handkommunion (ohne Ergreifen!) ebenso beigetragen haben wie Notsituationen während der vorausgehenden Verfolgungszeit (Haus- und Krankenkommunion). Im 5. / 6. Jahrhundert wurde diese Form der Handkommunion in der Kirche wieder abgeschafft (Klaus Gamber, Ritus modernus, Regensburg 1972, S 550), nachdem der Arianismus überwunden war. Grobe Mißbräuche und schwerwiegende Verunehrungen waren für diese Änderung der Kommunionpraxis ein wesentlicher Grund. (Otto Nußbaum, Die Handkommunion, Köln 1969, S 22).

Es fällt auf, daß die Überwindung der arianischen Irrlehre in einem gewissen zeitlichen Zusammenhang mit der Abwendung von der Handkommunion steht. Heute, zusammen mit einem klaren Einbruch neoarianischer Tendenzen, kehrt die Praxis der Handkommunion sogar in viel gefährlicherer und ehrfurchtsloserer Form zurück. Nicht einmal Luther billigte die Handkommunion, er verwarf sie als Ausdruck des Unglaubens.

30 Jahre Handkommunion - Folgen und Folgerungen

 

Fassen wir das Geschehen der letzten 30 Jahre nochmals zusammen: am 28. Mai 1969 wird in der im Auftrag von Papst Paul VI. herausgegebenen Instruktion ausdrücklich vor der Gefahr des Ehrfurchtsverlustes, der Sakrilegien und der Verfälschung der Lehre gewarnt. Nachdem die befragten Bischöfe des katholischen Weltepiskopats die Neuerung mit großer Mehrheit abgelehnt hatten, "ermahnt der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen". Ein kleiner, offenbar nachträglich angeführter Zusatz macht jedoch alles zunichte, ein Türspalt genügt, um alles ins Gegenteil zu verkehren.

Papst Cölestin I. (422 - 432) hat in einem Brief an die Bischöfe Galliens (Ep.21) den oft zitierten Satz geprägt: "Lex orandi lex credendi" (Die Norm des Betens entspricht der Norm des Glaubens), d.h., Glaube und Liturgie gehören eng zusammen, ja sie bedingen einander. Liturgie ist der Ausdruck des lebendigen Glaubens der Kirche (Klaus Gamber, Alter und Neuer Meßritus, 1983). Liturgie, liturgische Zeichen haben aber auch entscheidende Auswirkungen auf den Glauben. Mit der Einführung der Handkommunion beginnt ein unheimliches Großexperiment und allzu rasch und immer deutlicher stellen sich die befürchteten Folgen ein: Ehrfurchtsverlust, Sakrilegien (und Par-tikelverlust), Glaubensverlust. Kein Zufall, wenige Wochen vor der Öffnung des Türspaltes zur Handkommunion erfolgte die Promulgation des Novus Ordo Missae, der "Neuen Messe" ( 6. April 1969). Sechs protestantische Theologen waren jahrelang bei den Vorarbeiten zur "Neuen Messe" anwesend. Diese Vorarbeiten wurden geleitet durch Erzbischof Annibale Bugnini ... Es waren dieselben Leute, die das alles vorantrieben, derselbe Geist, der sie erfüllte, in Holland, in Deutschland und in Rom.

Wie sagte Kardinal Ratzinger in seiner Autobiographie (Wilhelm Heyne Verlag, 1997, Seite 174)? "Ich bin überzeugt, daß die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht ..."

Sakrilegien

 

Da ist nicht nur an Extreme zu denken, wie etwa die zu-nehmende Entwendung von Hostien für Satansmessen. Mir wurde vor kurzem von einer Brautmesse im Gastgarten berichtet, bei der der Bräutigam "die Brötchen" im Körbchen austeilte, die Braut den "Wein". Alles ging nahtlos in das servierte Mittagessen über, die übriggebliebenen, hoffentlich nicht gültig konsekrierten "Brötchen" standen für die Suppe zur Verfügung.

In einer nahe gelegenen Pfarrkirche wurden kürzlich von der Putzfrau zwei Hostien am Boden gefunden. Das sind alles nicht nur bedauerliche Entgleisungen, vielmehr ist es die Folge einer entsakralisierten Liturgie, auch eines veränderten Ritus der Kommunionspendung, die Folge verminderter Ehrfurcht und verminderten Glaubens.

Partikelverlust - Ehrfurchtsverlust - Glaubensverlust

 

Wenigen ist bewußt, daß bei der heutigen Kommunionpraxis der Partikelverlust fast nicht zu vermeiden ist. Zwei Beispiele: Ein mir bekannter Priester ersuchte einen Kommunionempfänger nach der von diesem verlangten Handkommunion, die Finger genau zu betrachten - es waren deutlich 2 kleine Partikel zu erkennen. In einer mir bekannten Pfarrkirche wird gemäß der noch immer geltenden Vorschriften für die Laienkommunion eine Kommunionpatene verwendet, auf ihr sind wöchentlich mehrmals Partikel zu finden. Wohin gelangen diese Teilchen wohl, wenn keine Patene verwendet wird, wie dies heute üblich ist?

Bei der überlieferten Liturgie gab es eine Reihe von Vorschriften bezüglich der Sorgfalt im Umgang mit den konsekrierten Gestalten (z.B. bei der Kelchreinigung, Fingerhaltung). Diese wohlbegründeten Vorschriften sind bei der "Neuen Messe" weggefallen.

Den Priestern kann das alles nicht verborgen bleiben. Verständlich ist, wenn der Priester an der Gegenwart des Herrn zunächst in den kleinen Teilchen zu zweifeln beginnt, um sein Gewissen zu beruhigen. Nun ist aber vom Konzil von Trient die Gegenwart Christi auch in den Teilen der konsekrierten Hostie dogmatisch definiert. Wer an die Gegenwart des Herrn in den Teilen nicht mehr glaubt, läuft Gefahr, den Glauben an die Realpräsenz überhaupt zu verlieren.

Ergreifen dürfen, heißt nur allzu leicht, daß etwas verfügbar, beherrschbar, manipulierbar wird, und dies mindert die Ehrfurcht. Ehrfurcht, Glaube und Liebe haben einen sehr tiefen Zusammenhang. Hand- und Stehkommunion hängen ebenfalls zusammen. Der Verlust der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten Altarsakrament steht weiters in enger Verbindung mit dem geschwundenen Sünden- bewußtsein. Das Bußsakrament ist bekanntlich weithin verschwunden. Zur Kommunion gehen jedoch alle; bei Begräbnissen auch solche, die jahrelang nicht in der Kirche waren.

 

Zusammenfassung

 

Kein Zweifel: Viele üben die Praxis der Handkommunion mit gutem Gewissen und in guter Absicht. Wer aber die Zusammenhänge erkennen kann, ist im Gewissen gehalten, entsprechend zu handeln und von dieser dem Papst abgezwungenen Praxis Abstand zu nehmen. In einem persönlichen Gespräch meinte kürzlich ein Kardinal zu mir, daß durch die Handkommunion schwerer Schaden entstanden sei und eine Korrektur von Rom aus erfolgen müsse. Einer Gruppe von Bischöfen gegenüber soll Mutter Theresa die moderne Form der Handkommunion als das schlimmste Übel in der derzeitigen Krise der Kirche bezeichnet haben.

Liebe Freunde! Die Handkommunion in ihrer modernen Form ist eine schwere Wunde am mystischen Leib Christi. Beten wir um Heilung dieser Wunde. Laßt uns aber auch heute tun, was heute möglich ist - in Güte, Klarheit und Festigkeit!

Knien bei der Kommunion

 

Selbstverständlich kann die Heilige Kommunion im Stehen würdig empfangen werden und im Knien unwürdig. Entscheidend sind das Freisein von zumindest schwerer Schuld, die Vorbereitung, die Absicht, die Lauterkeit des Herzens.

Nun haben Zeichen aber doch ihre Bedeutung. Von den drei Weisen des Morgenlandes heißt es (Math. 2,11): Und sie traten in das Haus, fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten Es an. So wie für die Weisen die Kniebeuge vor dem kleinen Kindlein ein selbstverständliches Zeichen der Anbetung ist, berichtet Lukas uns dasselbe von den Aposteln bei der Himmelfahrt Jesu vor dem verklärten Herrn (54,52): Sie warfen sich anbetend vor ihm nieder und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück. Mit der Anbetung Gottes ist das Beugen des Knies als Zeichen zutiefst verbunden. Paulus sagt im Römerbrief (14,11): Denn es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, jedes Knie soll sich vor mir beugen, und jede Zunge soll Gott bekennen.

Im Philipperbrief sagt Paulus (2,10): Im Namen Jesu soll sich jedes Knie beugen. Ein Priester erzählte mir, daß Kaiserin Zita wenige Monate vor ihrem Tode darauf bestand, in ihrer ganzen Hinfälligkeit, mit ihren Krücken, sich zum priesterlichen Segen, eigentlich zum Segen Gottes durch den Priester, niederzuknien.

Die Anbetung des Herrn im Allerheiligsten erfordert das Knien

 

Das Zeichen des Kniens ist also mit der Anbetung zutiefst verbunden. Wenn Christus im Allerheiligsten wirklich gegenwärtig ist, wenn ich in der Kommunion wahrhaft dem allmächtigen Gott begegne, ist die Kniebeuge das einzig angemessene Zeichen, wenn keine körperliche Behinderung vorliegt. Der 1801 verstorbene evangelische Prediger Joh. Caspar Lavater sagte: Könnte ich an die Gegenwart Christi im Sakrament glauben, ich würde mich vor Anbetung nicht mehr von meinen Knien erheben!

 

Der verhängnisvolle Zwang zur Stehkommunion muß beendet werden

 

Diese Zeilen sind keine Anklage gegen die vielen, die heute bei der Kommunion nicht mehr knien und oft zumeist auch nicht knien können, weil keine Kommunionbank mehr da ist. Aber täuschen wir uns nicht, Zeichen haben ihre Bedeutung, ihre Wirksamkeit, ob sie nun bewußt gesetzt werden oder ob sie unbewußt unterlassen werden. Kaum ermeßbar ist, wieviel Glaube geschwächt und zerstört wurde, weil man dem Herrn der Welt, dem Herrn über Leben und Tod nachlässiger gegenübertritt als einem hochgestellten Menschen. Am Rande erwähnt: es besteht ein gewisser Zusammenhang zwischen Steh- und Handkommunion ... Viele Priester haben dies wohl zu wenig bedacht, weil sie sich dem Trend der letzten Jahre anschlossen, die Kommunionbank wegräumten und die Gläubigen beim Kommunionempfang zum Stehen zwangen. Die Hirten haben eine sehr schwere Verantwortung!

Ich habe mich jedenfalls persönlich entschlossen, mich nicht mehr zwingen zu lassen, vor meinem Herrn zu stehen! Man kann sich ja beim Empfang der Heiligen Kommunion zumindest auf ein Knie niederknien.

Die Anbetung Gottes bringt die wahre Erneuerung der Kirche

 

Sicherlich ist hier eine Stelle, und zwar eine bedeutsame, durch die der Rauch Satans (Wort Pauls VI.) in die Kirche gedrungen ist. Andere Übel - wohl in einem gewissen Zusammenhang - sind mangelnde Vorbereitung und mangelnde Danksagung sowie der praktisch gänzliche Wegfall des eucharistischen Fastens. Mögen viele Christen, vor allem viele Hirten, diese Übel erkennen und dann entsprechend handeln. Eine Kommunionbank als Möglichkeit zum Knien ist wohl das mindeste.

Durch die Anbetung des Herrn erhält der Mensch die Kraft zu tun, was Gott will, die Anbetung Gottes bringt die wahre Erneuerung der Kirche.

*Dipl.Ing. Dr. Felix Bentz ist Vorsitzender von Pro Sancta Ecclesia und vom Initiativkreis Linz kath. Laien u. Priester.