Rundbrief Nr. 6 (Ostern 1987)
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GEHORSAM BIS ZUM TOD ?

Um Ostern feiern zu können, ist leider vorher der Karfreitag notwendig. Wenn auch wir auferstehen wollen, müssen wir den (schmalen) Weg Christi gehen:

"Gehorsam" ist ein Wort, das wir heute nur noch aus alten Kirchenlieder kennen. Dabei ist es ein Grundpfeiler unseres Glaubens ! Wer sagt: ich bin nur Gott gehorsam, hat einen selbstgebastelten Gott. Denn im Wort Gottes steht immer wieder, wir müssen auch Menschen gehorchen !

Um den Gehorsam richtig zu verstehen, muß man ihn nach zwei Seiten hin abgrenzen:

 Die eine  - bei der mir sicher jeder zustimmen wird - ist: Wenn eine Sünde verlangt wird, muß der Gehorsam verweigert werden (Beispiel: 3. Reich). 

Die andere ist: Keinesfalls kann der Gehorsam von unserem eigenem Verstehen abhängen ! 

Meinen Sie, liebe Leser, die heilige Maria hat verstanden, daß der Erlöser nur durch ihre Schande (vor allen Menschen) auf der Welt kommen kann ? Oder prüfen Sie bitte, ob Ihr "Gott" von einem Menschen verlangen kann, seinen eigenen Sohn im Gehorsam zu opfern, wie von Abraham ? Oder denken Sie an das kleine Kind, dem die Mutter sagt, es soll nicht auf die Herdplatte greifen. Das Kind versteht es nicht, aber es kann gehorchen, oder sich die Finger verbrennen. Man kann ruhig sagen, Gehorsam beginnt erst dort, wo wir nicht mehr verstehen. Bis dorthin ist es bestenfalls Vernunft ! Interessanterweise ist das Merkmal vieler Heiliger der Gehorsam gegenüber oft unwürdiger kirchlicher Obrigkeit. Und übrigens: Jeder Priester hat einmal freiwillig Gehorsam gelobt ! 

Wohin unsere Kirche ohne Gehorsam sinkt, sehen wir am besten an der letzten Bischofsernennung: Wir machen uns vor der Welt lächerlich ! Dabei werden in der Öffentlichkeit Geister geweckt, die sich wahrscheinlich nicht mehr so leicht bändigen lassen. Sollte es z. B. anlässlich der Bischofsweihe zu Demonstrationen kommen (was für mich persönlich eine große Katastrophe wäre), bin ich neugierig, ob auch nur einer, der heute Ungehorsam predigt, dafür die Verantwortung übernimmt.

Wenn Sie heute hören: "Wir fordern von der Kirche, von Rom ......" können Sie schon blind sagen, das da der Geist Christi nicht weht.

Besinnen wir uns wieder auf unseren Glauben: Folgen wir Christus nach ! Wenn uns das "bis zum Tod" auch nicht gleich am Anfang gelingt (unser Stolz und der Zeitgeist ist stark dagegen), so fangen wir einfach im kleinen an: z. B. bei Bischofsernennungen, Geburtenregelung, Wiederverheirateten, Messordnung, Priesterkleidung, uvam., auch - oder gerade wenn - wir es nicht verstehen. Gehorsam gibt es ja u. a. gerade deswegen, weil nicht jedem die gleiche Einsicht gegeben ist. Bedenken wir, das Stolz die Sünde schlechthin ist, und freuen wir uns, daß unser Gott auf keinen Zeitgeist angewiesen ist, sondern immer der gleiche bleibt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Segen zum Fest der Auferstehung unseres Herrn.

 

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