Rundbrief Nr. 59 (April 2000)  

 

Österreich, besinne dich!

Europa und Österreich - Rückblick und Ausblick

Seit Österreich besteht, ist es seine ihm von der Vorsehung übertragene Aufgabe gewesen, die christliche Kultur vor dem Zugriff der Gegner des Christentums zu schützen. Diese Aufgabe, diese geschichtliche Sendung, ging nachweisbar weit über seine Kraft. Es gelang aber dennoch, sie zu lösen. Warum? Und durch wen? Die Antwort darauf gibt eine Betrachtung der vielen Bedrängnisse, denen Österreich immer wieder ausgesetzt war. Eine der größten Bedrängnisse, bei dem es um den Bestand Österreichs, ja Europas ging, war die durch den Islam. Jahrhunderte hindurch fielen die Osmanen immer wieder in Österreich ein; 1683 standen sie bereits zum zweitenmal vor Wien, diesmal mit einem riesigen Heer von etwa 250.000 Mann. Ihm stand in Wien nur eine Garnison von 12.000 Mann gegenüber.

Wien war bereits völlig eingeschlossen; der Fall der Stadt konnte nur noch eine Frage von Tagen sein, denn sie war von jeder Lebensmittel- und Futterzufuhr abgeschlossen. Da wagten am Morgen des 12. September 1683 die eingeschlossenen Truppen einen Ausfall. Nachdem der Segen Gottes bei dem von dem heiligmäßigen Kapuzinerpater Marco d'Aviano dargebrachten Meßopfer herabgefleht worden war, stürzten sich die christlichen Truppen - einschließlich des Entsatzheeres 60.000 Mann - mit dem vieltausendstimmigen Ruf "Maria, reine Jungfrau" mitten in die vierfache mohammedanische Übermacht. Und noch am gleichen Tag war Wien frei!

Wer hat dieses Wunder vollbracht?

Die Österreicher hatten durch die überall, bis ins kleinste Dorf hinein, verbreiteten Rosenkranz-bruderschaften, denen auch der Kaiser selbst mitangehörte, ihre Zuflucht zur Gottesmutter genommen, im felsenfesten Vertrauen auf ihre Hilfe. Als Dank für die Rettung Österreichs und Europas erhob der heiligmäßige Papst Innozenz XI. den 12. September zum Festtag Mariä Namen. Im Stephansdom wurde zur Erinnerung daran ein großes figurenreiches Denkmal errichtet, das dann aber beim Brand im April 1945 zerstört wurde. Nur drei Figuren blieben erhalten und konnten aus dem riesigen Schuttberg geborgen werden:

Die Gottesmutter, und ihr zu Füßen kniend Kaiser und Papst. Erzbischof Jachim verfaßte dazu in lateinischer Sprache eine Inschrift, die auch wir uns jetzt in dieser geschichtlichen Stunde, in der versucht wird, das Haus Europa zu bauen, zu Herzen nehmen sollen. Paula von Preradovic, die Dichterin der österreichischen Bundeshymne, hat sie ins Deutsche übersetzt. Sie lautet:

Einst in der türkischen Not zu Hilfe kam rettend Maria,

Stolze Gestalten in Stein zeugten vom Dank ihrer Stadt.

Nun, da der furchtbare Krieg zerstörte den Dom und das Denkmal

Jungfrau, Kaiser und Papst einzig verschonte der Brand.

Innozenz sehet, den Elften und Leopoldus den Ersten,

Kniend mahnen sie Euch: Lasset zu hoffen nicht ab!

Nie wird in künftigem Sturm ihr betendes Wien sie verlassen,

Österreichs Mutter, sie hilft, seid Ihr nur stark und getreu.

Das Europafenster im Straßburger Münster

 

"Baut nicht der Herr das Haus, dann mühen sich die Bauleute vergebens." Dieses Wort Gottes gilt auch für den Bau des Hauses Europa. Unser Jahrhundert hat zwei Versuche erlebt, einen Staat ohne Gott aufzubauen: den nationalsozialistischen und den kommunistischen Staat. Beide Versuche endeten in einer Katastrophe. Es wäre daher - man kann es nicht anders sagen - heller Wahnsinn, nun wieder das Gleiche zu tun. Das wußten die Gründer der Europäischen Gemeinschaft, Robert Schumann, Konrad Adenauer und De Gasperi; es war ihnen klar, daß das Haus Europa in der Verantwortung vor Gott aufgebaut werden muß. In dieser Erkenntnis stiftete der Europarat in Straßburg im Münster ein Glasfenster, das "Europafenster". Es stellt Maria als Mutter der europäischen Völker und aller Menschen dar.

Das künstlerisch sehr schön gestaltete Europafenster befindet sich heute noch im Presbyterium über dem Hochaltar; die Gesinnung aber, aus der heraus es entstand, ist verloren gegangen. Die europäischen Staaten haben immer mehr Regierungen bekommen, deren Grundlage nicht das christliche, sondern das materialistische Menschenbild ist. In den letzten Jahren vor der Jahrtausendwende ist es dann soweit: Von den 15 in der EU zusammengefaßten Staaten fühlt sich kein einziger mehr dem Christentum verpflichtet. Das zeigt sich besonders eindringlich auch in der Gesetzgebung; was sich da an europäischem Recht abzeichnet, ist katastrophal: das Haus Europa wird nicht nur ohne Gott, sondern gegen Ihn gebaut!

Die geschichtliche Stunde Österreichs

 

Da aber tritt eine entscheidende Wende ein: Am Herz-Jesu-Freitag des Heiligen Jahres 2000 wird in der Wiener Hofburg eine Regierung angelobt, deren Bundeskanzler sich zu seiner Verantwortung vor Gott bekennt. Das bringt ihr die erbitterte Gegnerschaft der 14 anderen Staaten ein. Die Solidarität, die doch die Grundlage der EU sein sollte, ist völlig vergessen. Alles, auch die "Straße" wird eingesetzt, um die Regierung zu stürzen. Wieder einmal bewahrheitet sich Goethes Wort: "Der Kampf des Unglaubens gegen den Glauben ist das einzige Thema der Weltgeschichte." Die Regierung aber läßt sich durch die rechtlich in keiner Weise zu deckenden Machenschaften der 14 Mitgliedsstaaten nicht beirren. Freundlich und geduldig begegnet sie den Vorverurteilungen mit Informationen, die dem wahren Sachverhalt entsprechen; sie nimmt ihre Arbeit auf und läßt sich darin nicht stören. Sie weiß, sie muß standhalten, denn das ist jetzt eine Wende, eine geschichtliche Stunde für Österreich, ja vielleicht sogar für Europa! Drei Jahrzehnte lang war Österreich durch seine Regierungen der Herrschaft des materialistischen Menschenbildes ausgesetzt gewesen. Nun ist die Wende eingetreten; Österreich ist jetzt frei für einen neuen Weg. Ihn zu gehen genügt es aber nicht, daß der Bundeskanzler allein seine Verantwortung vor Gott wahrnimmt; wir alle müssen das tun! Dazu bedürfen wir wie er der Hilfe Gottes!

Daß für die Lösung der nun auf uns zukommenden großen und schweren Aufgaben menschliche Kraft allein nicht ausreicht, wird uns klar, wenn wir einen Blick auf die Zeit vor der Wende werfen.

30 Jahre Kultur des Todes in Österreich

 

Für das materialistische Menschenbild gibt es Gott nicht; daher gibt es auch seine Gebote nicht. Die Folge davon ist, daß ein Land, in dem dieses Menschenbild herrscht, immer mehr zu einer Wüste wird. Auch Österreich ist in den 30 Jahren materialistisch geprägter Herrschaft weithin zur Wüste geworden. Begonnen hat diese Verwüstung mit der Einführung der sogenannten "Fristenlösung". Warum es in einem Staat, in dem Gott keine Realität mehr ist, zu einer solchen Verwüstung kommt, zeigt Johannes Paul II. in seiner Enzyklika "Evangelium vitae" auf:

"... Wenn der Mensch lebt, 'als ob es Gott nicht gäbe', so kommt ihm nicht nur der Sinn für das Geheimnis Gottes, sondern auch für das Geheimnis der Welt und seines eigenen Seins abhanden.

Die Verfinsterung des Sinnes für Gott und den Menschen führt unvermeidlich zum praktischen Materialismus, in dem der Individualismus, der Utilitarismus und der Hedonismus gedeihen. Das einzige Ziel, auf das es ankommt, ist die Erlangung des eigenen materiellen Wohlergehens. Die sogenannte 'Lebensqualität' wird vorwiegend oder ausschließlich als wirtschaftliche Leistung, hemmungsloser Konsumismus, Schönheit und Genuß des physischen Lebens ausgelegt, wobei die tiefer reichenden - beziehungsmäßigen, geistigen und religiösen - Dimensionen des Daseins in Vergessenheit geraten.

Der Mensch sieht das Leben nicht mehr als ein großartiges Geschenk Gottes an, als eine 'heilige' Wirklichkeit, die seiner Verantwortung und damit seiner liebevollen Obhut, seiner 'Verehrung' anvertraut ist. Es wird einfach zu 'einer Sache', die er als sein ausschließliches, total beherrschbares und manipulierbares Eigentum beansprucht.

Der Körper des Menschen ist nur ein Komplex von Organen, Funktionen und Kräften, die nach reinen Kriterien von Genuß und Leistung zu gebrauchen sind. Infolgedessen wird auch die Sexualität ent-persönlicht und instrumentalisiert: aus Zeichen, Ort und Sprache der Liebe, das heißt der Selbsthingabe und der Annahme des anderen, wie sie dem ganzen Reichtum der Person entspricht, wird sie immer mehr zu einer Gelegenheit und einem Werkzeug der Bestätigung des eigenen Ich und der egoistischen Befriedigung der eigenen Begierden und Instinkte. So wird der ursprüngliche Inhalt der menschlichen Sexualität entstellt und verfälscht, und die zwei Bedeutungen, die das Wesen des ehelichen Aktes ausmachen, nämlich Vereinigung und Zeugung, werden künstlich getrennt: auf diese Weise wird die Vereinigung verraten und die Fruchtbarkeit wird der Willkür des Mannes und der Frau unterworfen. Da wird die Zeugung zum 'Feind', die es bei der Ausübung der Sexualität zu vermeiden gilt: wenn man sie zuläßt, dann nur deshalb, weil sie den eigenen Wunsch oder geradezu den eigenen Willen zum Ausdruck bringt, 'um jeden Preis' ein Kind zu haben, jedoch nicht, weil sie totale Annahme des anderen und damit Offenheit für die Lebensfülle besagt, deren Träger das Kind ist.

In dieser materialistischen Sicht erfahren die zwischenmenschlichen Beziehungen eine schwerwiegende Verarmung. Die ersten, die unter den Schäden dieser Verarmung zu leiden haben, sind die Frau, das Kind, der kranke oder leidende und der alte Mensch. An die Stelle des eigentlichen Kriteriums der Personwürde - nämlich das der Achtung und des Dienstes - tritt das Kriterium der Leistungsfähigkeit, der Zweckmäßigkeit und der Nützlichkeit: der andere wird nicht für das anerkannt und geschätzt, was er 'ist', sondern für das, was er 'hat, tut und leistet'. Das ist die Herrschaft des Stärkeren über den Schwächeren. ..."

Weitere Folgen des Vergessens auf Gott

 

Diese Verfinsterung des Sinnes für Gott und für den Menschen hat noch sehr viele andere verhängnisvolle Auswirkungen auf das Leben. Eine davon ist die widernatürliche Unzucht. Der Apostel Paulus zeigt eindringlich, daß auch sie eine Folge des materialistischen Menschenbildes, des "Vergessens auf Gott" ist. Er schreibt: "Deshalb gab sie Gott schändlichen Leidenschaften preis. Ihre Frauen verkehrten den natürlichen Verkehr in den widernatürlichen. Ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in ihrer wilden Gier zueinander. Männer trieben Schamloses mit Männern und empfingen so an sich die verdiente Strafe für ihre Verirrung. Weil sie es verschmähten, Gott anzuerkennen, gab sie Gott ihrer verworfenen Gesinnung preis ..." (Röm.1,26ff).

Im Verlauf der vergangenen drei Jahrzehnte wurde die widernatürliche Unzucht von den 15 EU-Staaten, und dadurch auch von Österreich, immer mehr begünstigt, sodaß schließlich die gesetzliche Gleichstellung von Homosexualität und lesbischem Verkehr mit der Ehe gefordert und zum Teil auch schon durchgeführt wurde. Auch Österreich war bereits auf dem Weg dazu. Das Überhandnehmen der Homosexualität hat aber nicht nur verheerende seelische Folgen - homosexuelle Verhältnisse enden nicht selten durch Selbstmord -, sondern es bringt auch eine entsetzliche Krankheit mit sich: AIDS. Um ihr zu entgehen, wird aber nicht für die unbedingt notwendige Beherrschung der Geschlechtskraft eingetreten, sondern für den Gebrauch von Kondomen. Dazu ist in den Schulen ein obligatorischer "Sexualunterricht" eingeführt, der so gestaltet ist, daß er nach dem einhelligen Urteil verantwortungsbewußter Pädagogen eindeutig kontraproduktiv ist. Das heißt, er stimuliert den Sexualverkehr schon bei Kindern. Vom Unterrichtsministerium wird für die Schulen dazu ein sog. "Sexkoffer" zur Verfügung gestellt. Vergeblich forderte die Kirche, diesen Koffer aus dem Verkehr zu nehmen. Er ist heute noch im Gebrauch.

Abtreibung, Pillenknick und Kindertötungspille

 

Die Verwüstung Österreichs durch die Kultur des Todes zeigt sich vor allem aber auch in den Abtreibungen, in der immer größer werdenden Ausdehnung des "Dritten Weltkrieges", der eigentlich gar kein Krieg ist, denn es geht hier gar nicht mehr um Angriff und Verteidigung, sondern nur noch um ein reines Abschlachten. Das Töten eines ungeborenen Kindes, das bisher wie jeder Mord unter Strafe gestellt war, ist unter der Regierung Kreisky freigegeben worden. Die Folge davon war ein riesiges Ansteigen der Abtreibungen. Aber nicht nur dadurch sank die Geburtenzahl drastisch. Eine Pille war auf den Markt gekommen, welche die Fruchtbarkeit der Frau außer Kraft setzt. Die Folge davon war ein neuerliches, ganz starkes Absinken der Geburten, in der Bevölkerungsstatistik deutlich erkennbar als der sogenannte "Pillenknick". Österreich wird ein sterbendes Volk. Die Verhütungsmentalität, vom Staat gefördert, greift immer mehr um sich. Aber wenn in dieser Kultur des Todes dennoch ein Kind zur Welt kommen möchte - was dann? Keine Sorge, auch dafür ist gesorgt: Dazu ist die Tötungspille, vom Staat eingeführt, auf den Markt gekommen. Die Mutter braucht diese Pille nur einzunehmen - und sie tötet damit ihr eigenes Kind.

Kunst und Kultur

 

Aber auch das ist noch nicht alles, was in diesen drei Jahrzehnten im Zuge der "Gesellschafts-veränderung" - das ist das Schlüsselwort der "Neuen Linken" - im Sinne einer Kultur des Todes unternommen wurde. Erzeugnisse, die sich als "Kunst" ausgeben, in Wahrheit aber die Menschenwürde und die Ehrfurcht vor Gott aufs gröblichste verletzen, werden vom Staat gefördert und mit Preisen bedacht. Dazu kommen noch Schamlosigkeiten und Gewaltverherrlichungen am laufenden Band in dem von der Regierung beherrschten Fernsehen und Radio. All das zusammenfassend, sagte der Erzbischof von Salzburg, Dr. Georg Eder, in seinem Fastenhirtenbrief des Jahres 1999:

"Wir haben uns alle verirrt! Wir sitzen in einem Zug, dessen Geschwindigkeit rasant zunimmt, und wir geben uns nicht einmal Rechenschaft, wohin er fährt! Die Moral der Gesellschaft ist weithin Unmoral. Das Schlechte wird für gut erklärt, das Unnatürliche wird als natürlich bezeichnet. Die Perversionen der Heiden werden verteidigt! Die Verirrten verlangen 'Rechte' für ihr verkehrtes Tun. Jeder geht seinen Weg und rechtfertigt sich mit seinem 'autonomen Gewissen'.

Die Ehe, die vom Schöpfer als Abbild seiner Dreieinigen Liebe uns für immer übergeben worden ist, gilt als 'auslaufendes Modell'. Europa hat Christus immer mehr verlassen, die totale Gott-losigkeit breitet sich aus! Die Türme unserer Kirchen ragen noch in den Himmel, aber wie viele richten sich noch nach diesem Wegweiser?

Und das Ärgste: Die Kirche hat sich angepaßt! Das oberste Gebot lautet heute offenbar: 'Kein Kampf, keinen Anstoß!' Aber Christus hat erklärt: 'Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert' (Mt. 10,34). Und das bedeutet: So wie es ein Verbrechen ist, den Frieden zu stören, wo die Wahrheit herrscht, so ist es auch ein Verbrechen, den 'Frieden' zu bewahren, wenn der Wahrheit Gewalt angetan wird! Kehrt zurück zu Gott, ehe es dafür zu spät ist! Wenn das Gewissen verhärtet und das Herz tot ist, ist es für die Umkehr zu spät." - soweit Erzbischof Eder.

Das Wichtigste für Europa

 

Als Mutter Teresa von Kalkutta gefragt wurde, was für Europa - und damit auch für Österreich - das Wichtigste sei, sagte sie: "Die Wiedergewinnung der Reinheit." Wie kann das geschehen? Die Gottesmutter gibt uns in Fatima die Antwort darauf:

"Durch die Weihe an mein unbeflecktes Herz."

Als Johannes Paul II. in Mariazell war, hat er Österreich erneut der Gottesmutter anvertraut. Aber auch hier ist es wieder das gleiche: Es genügt nicht, wenn der Papst allein die Weihe vollzieht. Wir alle, jeder Einzelne, jede Familie, jede Gemeinschaft, müssen sich ihr weihen. Jeder von uns muß die Gottesmutter bei sich in sein Haus, in seine Wohnung, in sein Herz aufnehmen und die Weihe leben, nicht nur zu besonderen Festtagen, sondern im Alltag; nur so können wir die geschichtliche Stunde, in der wir uns befinden, in der rechten Weise nützen. Wir sehen so, daß die Überwindung der Kultur des Todes und der Aufbau einer Kultur des Lebens und der Liebe nicht von heute auf morgen möglich ist. Das ist ein Lebensvorgang, der viele Jahre dauert, in den aber jetzt einzutreten uns die geschichtliche Stunde, in der wir uns befinden, einlädt.

Gebet für Regierung und Gesellschaft

 

In der Erklärung der am Herz-Jesu-Freitag in der Wiener Hofburg angelobten Regierung gibt es zwei Schwerpunkte, die wir als Bausteine zum Aufbau einer Kultur der Liebe und des Lebens ansehen können: die Überwindung des Klassenkampfdenkens in der Arbeitswelt und die Förderung von Ehe und Familie. Beides wird aber auf sehr starken Widerstand der Opposition und der ihr zur Verfügung stehenden Vereinigungen und Körperschaften stoßen. Wir können der Regierung aber helfen, diese Bausteine zu setzen, durch unser Gebet. Der hl. Johannes Chrysostomus sagt: "Nichts ist mächtiger als ein Mensch, der betet; denn durch das Gebet wird er der Macht Gottes teilhaftig."

Johannes Paul II. sagt dazu:

"Es bedarf dringend eines großangelegten Gebetes für das Leben, das die ganze Welt durchdringen soll. Mit außerordentlichen Initiativen und im gewohnten Gebet möge von jeder christlichen Gemeinde, von jeder Gruppe oder Vereinigung, von jeder Familie und vom Herzen jedes Gläubigen ein leidenschaftliches, inständiges Bittgebet zu Gott, dem Schöpfer und Freund des Lebens, empor-steigen.

Jesus selber hat uns durch sein Beispiel gezeigt, daß Gebet und Fasten die hauptsächlichen und wirksamsten Waffen gegen die Kräfte des Bösen sind, und hat Seine Jünger gelehrt, daß manche Dämonen sich nur auf diese Weise austreiben lassen.

Finden wir also wieder die Demut und den Mut zum Beten und Fasten, um zu erreichen, daß die Kraft, die vom Himmel kommt, die Mauern aus Betrug und Lüge zum Einsturz bringt, die die perverse Natur lebensfeindlicher Verhaltensweisen und Gesetze vor den Blicken vieler unserer Brüder und Schwestern verbergen, und ihre Herzen für die Vorschläge und Absichten öffnet, die sich an der Zivilisation des Lebens und der Liebe inspirieren."

Aufbau einer Kultur der Liebe

 

Vor genau 5 Jahren, zum Fest Mariä Verkündigung am 25.3., hat Johannes Paul II. der Welt und damit auch uns Österreichern die "Frohe Botschaft vom Leben", die Enzyklika "Evangelium vitae" übergeben. Das Gebet, mit dem sie schließt, führt uns in froher Zuversicht ins 3. Jahrtausend hinein; es hilft uns, die Kultur des Todes zu überwinden:

 

O Maria,

Morgenröte der neuen Welt,

Mutter der Lebendigen,

Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an:

O Mutter, blicke auf die grenzenlose Zahl

von Kindern, denen verwehrt wird, geboren zu werden,

von Armen, die es schwer haben zu leben,

von Männern und Frauen, die Opfer unmenschlicher Gewalt wurden,

von Alten und Kranken, die aus Gleichgültigkeit oder angeblichem Mitleid getötet wurden.

Bewirke, daß alle, die an Deinen Sohn glauben, den Menschen unserer Zeit

mit Freimut und Liebe

das Evangelium vom Leben verkünden können. Vermittle ihnen die Gnade, es anzunehmen

als je neues Geschenk,

die Freude, es über ihr ganzes Dasein hinweg

in Dankbarkeit zu feiern,

und den Mut, es mit mühseliger Ausdauer zu bezeugen,

um zusammen mit allen Menschen guten Willens die Zivilisation der Wahrheit und der Liebe zu errichten,

zum Lob und zur Herrlichkeit Gottes,

des Schöpfers und Freundes des Lebens.

Wer die frohe Botschaft vom Leben, wie es im Gebet heißt, als täglich "neues Geschenk annehmen, mit Freude feiern und es mit Mut durch alle Mühsal hindurch bezeugen" möchte, dem können wir verschiedene Hilfsmittel anbieten:

Einmal steht dafür der Fernkurs "Aufbau einer Kultur der Liebe" zur Verfügung. Er besteht aus 12 Briefen, welche im 14-tägigen Abstand zugesandt werden. Weiters das Buch "Eine Liebesgabe für Jesus will ich sein" und die Broschüre "Ein neues Europa".

Es gibt aber noch ungezählt viele andere Hilfen im eigenen Leben, in unserer ganz persönlichen Umwelt, in der Ehe und in der Familie eine Kultur des Lebens und der Liebe aufzubauen. Nur eine soll hier noch erwähnt werden:

Am Fuße des Sonntagberges in der Diözese St. Pölten, wo Österreich vor 1000 Jahren urkundlich erstmals erwähnt wurde, kreuzen sich die Wege eines christlichen Europa. Mit größter Opfer-freudigkeit und großer Liebe zu unserer Heimat wurde hier vor einigen Jahren ein Werk aufgebaut, das sich immer mehr als ein gesamtösterreichisches Zentrum einer nicht vom Zeitgeist verunstalteten, sondern von der Strahlkraft der Liebe Gottes erfaßten Kirche erweist.

Die Veranstaltungen auf dem Sonntagberg, dem Berg der Heiligsten Dreifaltigkeit, - Vorträge, Einkehrtage und Exerzitien - stehen im Jubeljahr 2000 u.a. unter den Themen: "Die Liebe wagen", "Vergebung - eine göttliche Medizin" und "Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen".

Wenn wir das tun, dann werden wir ein Wachsen im heiligen Geist erleben, das uns befähigt, immer und überall, in der Familie, im Beruf, in der Erholung und im Alltag in der wunderbaren, durch nichts zu ersetzende Freiheit der Kinder Gottes die Kultur der Liebe zu leben.

S.B.

 

 

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