Rundbrief Nr. 3 (Advent 1986)
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Glaubensweitergabe

Nachdem auch wir Laien vom Bischof aufgerufen wurden, uns mit dem Thema der Diözesanversammlung zu befassen, erlauben Sie mir ein paar Gedanken:

Trotz großer Anstrengungen in vielen Ausschüßen, Räten, Gremien, Runden, Tagungen, Versammlungen usw. funktioniert die "Glaubensweitergabe" nicht. Dafür gibt es klar einen Grund: Weitergeben kann man nur etwas, was man selbst hat! Wenn man das Problem näher betrachtet, kommt man zwangsläufig zu unseren Priestern, von denen viele ihre Glaubwürdigkeit verloren haben (und mit ihnen unsere Kirche)

Dazu nur zwei kleine Beispiele: Ein frisch geweihter Prister (ausgebildet von der theologischen Hochschule Linz) erklärte mir ganz ehrlich, daß er nicht an die Existenz Satans glaubt (er wußte nicht einmal, daß Jesus jemals von diesem gesprochen hat!). Was meinen Sie, hält ein normaler Mensch von diesem Priester, wenn der am anderen Tag bei einer Taufe fragt: "Wiedersagt Du dem Satan,..."? Ähnlich liegt der Fall bei vielen Totenmessen, einer der wenigen Gelegenheiten, wo man Außenstehende ansprechen kann, bei denen den Leuten versichert wird, die Toten kommen sowieso alle in den Himmel.

Tatsache ist, daß Grundwahrheiten unseres Glaubens heute von vielen Priestern in Zweifel gezogen werden: Hier eine unvollständige Aufzählung:

- Evangelien als Tatsachenbereichte: hier liegt sicher das Grundübel, obwohl das schon immer die Lehre der Kirche war (siehe auch Konzilskonstitution "Dei verbum" Art.19)

- Gericht, Himmel, Hölle

- Engel, gefallene Engel

- persönlicher Gott

- Gottheit Jesu

- Erlösungstat Jesu

- Auferstehung

- die Rolle Mariens

- Wunder

- Realpräsenz

- Gott als Vater: viele Theologen(innen) glauben heute, eine tiefere Gotteserkenntnis als Jesus zu haben, und sagen: "Gott ist Vater und Mutter"

- Gehorsam, Demut

- Gebote: brauchen nur noch gehalten werden, wenn man den Sinn selbst einsieht. z.B. sind zwar viele "besorgt", daß am 8.12. ein paar Geschäfte geöffnet haben, daß aber Katholiken ihre Kinder ermorden, stört sie anscheinend weniger.

- uvam.

Viele Priester sehen sich nicht "ausgesondert von der Welt", sondern meinen "auf sie zugehen zu müssen". Und das heißt dann: Inkognito-Kleidung, hier ein Tänzchen, da eine "Aussprache" im Privatzimmer mit einem Kerzenflämmchen, usw. Groß ist dann die Verwunderung (bei manchen), wenn wieder einer dieser - (hoffentlich) der weiblichen Reize Unkundigen - schwupps, in den Armen einer Frau landet.

Genau so, wie ein ungläubiger Priester Tausende ins Verderben führt (Gott wird Rechenschaft verlangen), kann ein gläubiger Priester Tausende retten (siehe viele unserer Heiligen).

Wie brauchen Priester, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind: die nach Gottes Wahrheit fragen und sie verkünden, und nicht nach dem Ohrenkitzel, den die Menschen heute gerne hören (vergl. 2.Tim. 4,3).

Ich möchte Sie einladen, dafür zu beten, daß Gott unseren Priestern Mut, Kraft und Glauben schenkt, dann wird die Kirche Christi wieder erblühen!

Gesegnete Weihnachten

Herbert Lindner jun.

 

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