Rundbrief Nr.2 (Oktober 1986)
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Messe - Ein gesellschaftliches Ereignis?

 

In letzter Zeit ist in manchen unserer Pfarren eine langsame Umgestaltung des Gottesdienstes festzustellen. Ich will dafür nur einige Beispiele aufzählen:

 

  • Brotbrechen bei der Wandlung

 

  • ein Mädchen sagt zum Volk: "Der Herr sei mit Euch" und liest das Evangelium

 

  • ein Mädchen predigt

 

  • Ministrantinnen (oft noch ganz kleine, liebliche Wesen, die noch gar nicht wissen, wie oder wo sie niederknien, oder was sie sonst tun sollten)

 

  • Anstelle der Predigt ein "Interview" oder eine "Diskussion"

 

  • Predigten, in denen die Worte "Gott" oder "Christus" gar nicht mehr vorkommen (u.a. solche, die besser zu einem kommunistischen Gewerkschaftskongress oder einem Parteitag der Grünen passen würden)

 

  • verkrampfte Kinder- und Jugend-Messen

 

  • willkürliche Umgestaltung der Gebete

 

  • "Sondermessen" z.B. für Umweltschutz, Befreiungstheologie u.Ä. (ohne jede Vorankündigung), die dann manchmal als Messe fast nicht mehr zu erkennen sind. Die Geschmacklosigkeit geht dabei so weit, daß z.B. zur Weihe unseres neuen Wiener Erzbischofs von einem Pfarrer eine "Trauermesse" (mit schwarzem Vespermantel) zelebriert wurde (Zitat: "Der schwärzeste Tag für die Kirche Österreichs")

 

  • keine Lesung und kein Evangelium

 

  • uvam.

 

 

Diese Aufzählung kann sicherlich von jedem Leser dieses Briefes um einige Punkte erweitert werden.

 

Sind alle diese Dinge erlaubt? Mich jedenfalls stören diese Veränderungen in meiner Andacht. Ich kann mich in einer Messe ohne "Überraschungen" besser auf das tatsächliche Geschehen (Opferung, Wandlung, Kommunion) und das Gebet konzentrieren.

 

Weil ich mit meiner Ansicht nicht alleine bin, richte ich meine Bitte an den Herrn Bischof und die Herren Pfarrer:

Sind Sie so großzügig, und ermöglichen Sie uns einen Gottesdienst ohne Ärgernisse. Mein Vorschlag: Machen Sie wenigstens eine der Sonntagsmessen zur "gewöhnlichen" Messe, wie sie in jedem Meßbuch nachzulesen ist, und verlautbaren Sie dies in Ihren Gemeinden.

 

Ich danke Ihnen im voraus für Ihr Verständnis und verbleibe im Gebet verbunden

 

Herbert Lindner jun.

 

PS: Nachdem es sich bei den "Veranstaltern" solcher Messen oft um Priester handelt, die sich gerne auf das Konzil berufen, und ich manchmal vermute, daß sie die jeweiligen Beschlüsse nicht griffbereit haben, hier ein vielleicht hilfreicher Text daraus:

"Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern." (Sacrosanctum Concilium. Art. 22. § 3).

 

 
 

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