Rundbrief 13 (Papstbesuch 1988)
     

 

 

Die Einheit der Kirche

 

"Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist, die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden ... Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; ..." (1.Kor.12,8 ff).

Diese Worte des Heiligen Paulus müssen wir uns heute alle sehr zu Herzen nehmen. Ob wir bei der "Kath. Aktion", "Charismatischen Erneuerung", beim "Opus Dei" oder sonstwo sind, oder auch nur einfache Katholiken. Das Entscheidende dabei ist die Einheit "in dem einen (Heiligen) Geist". Und dazu gehören auch jene, die zwar einen schwachen Glauben haben, aber zumindest glauben wollen.

Auf keinen Fall dürfen wir aber den Fehler machen, diese Einheit  in dem einen Geist mit der Verbrüderung mit dem anderen Geist zu verwechseln. Hier müssen jene, die die Gabe der Unterscheidung der Geister erhalten haben, urteilen (ohne zu verurteilen!). Dieser andere Geist ist der Geist der Irrlehre, des Egoismus, der Abspaltung, des Zweifels, des Unglaubens, der Verweltlichung (oder "Entmystifizierung") uvam.

Es gibt für die Kirche Jesu Christi keine größere Gefahr, als die Irrlehrer innerhalb der Kirche. Christus nennt sie "Wölfe im Schafspelz" (Matth.7,15). Und mit diesen "Frieden zu schließen" wäre höchst unbiblisch und unchristlich. Auch die Tatsache, daß es schon immer Irrlehren gegeben hat, kann uns nicht von der Pflicht entbinden, sie zu bekämpfen.

"Toleranz" heißt das Zauberwort, mit dem man heute versucht, den Unglauben in unserer Kirche salonfähig zu machen. Und man geht noch weiter, indem man sich über Glaubende lustig macht und sie als "konservativ", rückständig oder naiv abstempelt. Und das alles, wohlgemerkt, innerhalb der Kirche und gerade von denen, die vorgeben, so "tolerant" zu sein! Aber für Christen ist es eine Ehre, wenn sie für ihren Herrn Anfeindungen erdulden dürfen.

Die Garantie für die Einheit der Kirche Christi ist das von Ihm eingesetzte Papstamt. Ich selbst war bis vor einigen Jahren ein "Papstgegner" (mit all den bekannten "Argumenten"), bis mir Christus die Gnade schenkte, den Aufbau der von Ihm gegründeten Kirche zu verstehen. Auch wenn die Demokratie in den Augen von vielen die beste Staatsform sein mag, Jesus hat Seine Kirche hierarchisch aufgebaut. Manche meinen, das sei nur deshalb geschehen, weil Er damals die Demokratie noch nicht kannte. Aber das ist natürlich Unsinn, denn die Demokratie gab es lange vor Christus, und sie war Ihm auch sicher bestens bekannt. Somit kann auch keine noch so große "Versammlung" und kein noch so demokratisch gewählter "Rat" einem Bischof oder einem Pfarrer die Verantwortung für die ihm anvertraute Herde abnehmen. Hier muß man mit Katharina von Siena fragen: Wozu hat euch Gott die Autorität gegeben, wenn ihr sie nicht nutzt?

Es ist der (andere) Geist der Rebellion, der uns Menschen vorgaukelt, Hierarchie und Gehorsam wären nur Reste aus einer alten Zeit, heute müsse man in der Kirche die Demokratie einführen. Aber selbst wenn es Kardinäle gibt, die Freimaurer sind, kann uns dies nicht vom Gehorsam zur Hl. Kirche und ihrer Lehre entbinden! Immerhin wollen wir ja durch sie zur seligen Ewigkeit gelangen. Und wir können ganz unbesorgt sein, daß Christus bis zum Ende zu seiner Kirche stehen wird - solange sie in der Einheit mit dem Nachfolger Petri bleibt. Denn ihm hat Jesus die Schlüssel zum Himmelreich gegeben (Matt. 16,19). Wer sich gegen das Papsttum stellt, stellt sich damit automatisch gegen die Kirche Jesu Christi. Jeder Papst hat natürlich persönliche Fehler, wie sie auch der Heilige Petrus hatte (vor und nach Pfingsten). Aber der Papst hat das Lehramt. Und dieser Lehre sind wir verpflichtet!            .

Freuen wir uns, daß sich unsere österreichischen Bischöfe in ihrer Erklärung vom 29.3.88 doch klar zu den Lehren des Papstes und somit zur röm. kath. Kirche bekannt haben! Dadurch ist für Österreich nur noch eine Frage offen: Wie groß und einflußreich ist die Opposition gegen den Papst in der "unteren Führungsschicht" unserer Kirche? Sicher kennt jeder aus dem "täglichen Leben" dutzende Beispiele dafür. Ich frage mich nur immer, woher diese Opposition inmitten unserer Kirche eigentlich kommt. Vielleicht erhellt hier beiliegender Brief an unseren Herrn Bischof Aichern das Bild etwas.

Es gibt leider keine Glaubenswahrheit mehr, die nicht heute von unseren eigenen Theologen angezweifelt wird. Aber das schlimmste ist, daß sich dabei manche "Oppositionelle" sogar noch auf den Heiligen Geist berufen!

Sicher ist es heute nicht leicht, Unterordnung und Demut zu leben, aber das war es früher auch nicht. Und doch ist es unumgänglich, sozusagen Grundvoraussetzung für die Nachfolge Jesu ("ich bin von Herzen gütig und demütig" Mt. 11, 29). Auch mit der Fußwaschung will uns Jesus genau das erklären (Joh.13). Die Heilige Jungfrau Maria kann uns dabei als Vorbild dienen ("Ich bin die Magd des Herrn, ..." Lk. 1,38).

Üben wir uns in dieser Haltung und beten wir für unsere Priester, daß sie uns dabei vorausgehen können. Bereiten wir unserem Heiligen Vater einen würdigen Empfang!

 

An Diözesanbischof Maximilian Aichern am 15.4.1988:

Sehr geehrter Herr Bischof Aichern,

durch "Zufall" erhielt ich die neueste Ausgabe (Nr.30, März 88) der Studentenzeitung der katholischen theologischen Hochschule Linz, die "LOCOMOTIVE". Sie erinnern sich sicher, daß ich Ihnen in dieser Angelegenheit vor fast einem Jahr schon einmal einen Brief geschrieben habe, damals wegen der Verherrlichung des Terrorismus im Heft Nr.28, Juni 87. Übrigens findet zu diesem Thema "1968" vom 11. bis 14.5.88 ein "Seminar" der Studenten im Laientheologenzentrum in der Mozartstraße 1 statt. Vom Inhalt her hat sich die "Loco" wenig geändert, höchstens verbösert, und sie wird nach wie vor durch Inserate von der Linzer Kirchenzeitung mitfinanziert. Obwohl es einige mehr als fragwürdige Artikel gibt, möchte ich heute aus Aktualitätsgründen nur auf einen einzigen näher eingehen. Der Titel lautet:

"Was zum Papst zu sagen wäre" (Seite 45 ff).

Zunächst werden jene, die zu den Papstveranstaltungen kommen, mit den Massen verglichen, die dem Führer zugejubelt haben (die ganze Ausgabe steht unter dem Motto "1938-1988").

Das nächste Kapitel trägt die Überschrift: "Warum ich gegen den Papst bin". Hier wird aufgezählt:
"Ich mißachte allerdings das Papstamt, die autoritäre Stellung des Papstes, seine Tendenz, Menschen zu entmündigen, indem er Vorschriften macht anstatt das Gewissen der Menschen zu bilden und selbst entscheiden zu lassen."
"Ich mißachte die göttliche Legitimation seiner Herrschaft, die Unfehlbarkeit des Papstes, die lediglich dazu dient, seinen Aussagen und Handlungen noch stärkeres Gewicht zu verleihen."
"Ich mißachte seine Herrschaft, so wie ich jede Art von Herrschaft verachte, ... Auch die päpstliche Herrschaft unterdrückt; sie hat ihre Sklaven wie weltliche Herrschaften: Frauen, Homosexuelle, Kommunisten, Geschiedene Wiederverheiratete ...".
"und verachte nur die in ihm und durch ihn repräsentierte 'Wahrheit'."

Nach diesen Aussagen kann man wohl ohne Übertreibung behaupten, daß der Schreiber als Student der katholischen theologischen Hochschule Linz dort noch nicht sehr viel über das Lehramt in unserer Kirche gelernt hat.

Am Schluß wird es aber erst richtig interessant. Ich zitiere wörtlich:

"Der Papst kommt. Daran werde auch ich nichts ändern können. Jetzt heißt es aus der Situation das beste zu machen. Nur NICHT hingehen, ist zu wenig. Es muß mehr passieren. Es ist Zeit, Ideen und Strategien zu entwickeln, zu diskutiern und zu handeln. Es ist an der Zeit, daß sich die Kirchenhierarchie hinterfragen läßt, von inner- und außerkirchlichen Personen und Gruppen. Ich fordere daher alle, die den Papstbesuch in Österreich nicht unkritisch geschehen lassen wollen, alle, die aktiv an verschiedenen 'Begleitveranstaltungen' zum Papstbesuch teilnehmen wollen, auf, sich mit mir in Verbindung zu setzen."

Ich muß, glaube ich, noch einmal festhalten, daß diese Zeilen nicht aus einem kommunistischen Kampfblatt, sondern aus der an der katholischen theologischen Hochschule Linz herausgegebenen Studentenzeitung entnommen sind.

Sehr geehrter Herr Bischof! Ich möchte Sie zunächst fragen, ob Sie beabsichtigen, gegen diese "Begleitveranstaltungen" seitens der kath. theol. Hochschule etwas zu unternehmen? Sind Sie mit dem Kurs, den die zukünftigen Priester, Religionslehrer, Pastoralassistenten(innen) und anderen Angestellten unserer Diözese steuern, einverstanden?

Natürlich kann man Glauben niemanden vorschreiben, weil er ja ein Geschenk von Gott ist. Aber müssen wir noch bezahlen dafür (jährlich 10 Mio. Schilling aus Kirchensteuergeldern), daß unsere Kirche von innen her zerstört wird?

Es ist positiv, daß die Studenten so offen und ehrlich ihre Meinung kundtun - eine Eigenschaft, an der es leider manchem Vertreter unserer Kirche mangelt. Daher ist es sicherlich keine Lösung des Problems, wenn Sie die "LOCO" verbieten oder versuchen würden, sie zu zensurieren. Diese bringt doch nur die Meinungen und Ansichten der Studenten zum Ausdruck. Das wahre Problem liegt jedoch viel tiefer! Nachdem es wahrscheinlich unmöglich ist, den Kurs der Hochschule radikal
zu ändern, ersuche ich Sie, diese zu schließen bzw. die Unterstützung dafür einzustellen.

Es ist mir klar, daß ein solcher Schritt für Sie nicht einfach ist. Wir beten dafür, daß Sie die Einsicht und die Kraft erhalten, für unsere Kirche das Richtige zu tun.

Herbert Lindner jun.

 

 

 

 

 

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