Rundbrief 11 (Maria Lichtmeß 1988)
     

 

 

Mutter unser

 

Mit dieser vielsagenden Überschrift berichtet die Linzer Kirchenzeitung am 10.12.87 über eine Tagung von Religionslehrern(innen) der höheren Schulen OÖ. in Puchberg. Es ist nicht das erstemal, daß sich die Linzer Kirchenzeitung - die als einzige Kirchenzeitung in 'Kirche Intern' schon wiederholt beste Kritiken bekam - mit diesem Thema beschäftigt. Immer wieder finden sich heute 'Theologen' (oft -innen), die ihre vermeintliche Erkenntnis verbreiten, Gott sei ebenso Mutter wie Vater. Manche sagen auch schon, Gott sei für sie nur Mutter. Diese "Meinung" läßt sich aber weder mit der Heiligen Schrift noch mit der Lehre der Kirche seit 2000 Jahren vereinbaren. Dazu ein paar Fakten:

In der Bibel steht hunderte Male, daß Gott unser Vater IST, aber auch zweimal, daß Gott WIE eine Mutter ist. Wer aber behauptet, Gott ist unsere Mutter, der kann mit derselben Logik sagen, Gott ist eine Henne. Denn Christus selbst vergleicht Gottes Eigenschaften zweimal mit denen einer Henne' (Mt. 23,37; Lk. 13,34). Ich meine, es ist jedem klar, daß es ein Unterschied ist, ob man etwas IST (Vater), oder ob man eine Eigenschaft mit etwas vergleicht (Mutter, Henne, usw.). Dazu vielleicht ein Beispiel: Wenn meine Frau nicht zuhause ist, bin ich für meine Kinder nicht nur Vater, sondern mehr noch, ich bin ihnen auch Mutter. Trotzdem reden sie mich alle mit "Papa" an, und ich bin es auch!

Unter den ganz wenigen Argumenten der Feministinnen (neben den je zwei Bibelstellen von der Mutter und der Henne) befindet sich auch eine einzige Aussage eines Papstes (Johannes Paul I.), der bei einer Ansprache am 10.9.1978 sagte: "Gott ist unser Vater, mehr noch, Er ist uns auch Mutter". Wenn der Papst damals gewußt hätte, was in diese Worte einmal von 'Theologen' hineininterpretiert wird, nehme ich an, er hätte sie lieber nicht gesagt. Pikant ist dabei noch, daß meist ausgerechnet jene diese Aussage zitieren, die sich sonst überhaupt nicht darum scheren, was der Papst sagt.

Obwohl uns Gott schon im Alten Testament unzählige Male als Vater gezeigt wird, war es besonders Christus, der uns weit über hundertmal Gott als Vater vorgestellt hat. Und obwohl Er die Frauen sosehr aus ihrer minderwertigen Stellung heraushob, hat Er Gott doch nicht ein einziges Mal mit einer Mutter nur verglichen! So ist Gott nicht nur der fleischliche Vater von Jesus, sondern Jesus hat Ihn auch uns als Vater (und nur als Vater) erklärt. Und das, obwohl sicher kein Vater auf Erden würdig ist, mit Gott verglichen zu werden.

Wer sagt, Gott ist auch Mutter, der bildet sich ein, eine tiefere Gotteserkenntnis zu haben als Jesus sie hatte, der sagte: "Niemand kennt den Vater, nur der Sohn, und der, dem es der Sohn offenbaren will". Wenn aber jemand diese Erkenntnis des Vaters von Christus nicht bekommen hat, so ist es doch sehr gefährlich zu sagen, Gott ist Mutter, denn in 2. Joh. 9 heißt es: "Wer über die Lehre Christi hinausgeht, hat Gott nicht. wer aber in der Lehre bleibt, hat den Vater und den Sohn". Und die Lehre Christi ist eben einmal die vom Vater und nicht die von der Mutter.

In unserer Kirche gibt es sicher tausende Gebete zu Gott, dem Vater, aber ich kenne kein einziges zu Gott, der Mutter (schon gar nicht jenes größte, das Christus selbst uns gelehrt hat).

Es ist heute auch unter Priestern schon weit verbreitet, daß das einzige, was man noch glauben 'muß', das ist, was im Glaubensbekenntnis gesagt wird. Wenn wir dieses aber genau betrachten, so ist die einzige Tatsache, die darin gleich zweimal bezeugt wird, daß Gott Vater ist. Und so kann man wohl sagen, daß jemand, der behauptet, Gott ist Mutter, nicht mehr unseren katholischen Glauben vertritt! Aber Irrlehren sind so alt wie unsere Kirche. Und vor nichts wird die Endzeit in der Heiligen Schrift so eindringlich gewarnt, wie vor Irrlehrern (besonders aus den eigenen Reihen). Wir können aber nur die Eltern darauf aufmerksam machen, daß sie dafür verantwortlich sind, wenn sie ihre Kinder zu solchen Religionslehrern(innen) in die Schule schicken.

Offen bleibt aber folgende Frage: Wäre es heute angesichts der Scheidungs- und Abtreibungszahlen nicht wichtiger, die Frauen über ihre von Gott zugedachte Rolle in der Familie zu unterrichten, als sie auf unseren Theologischen Hochschulen auf den "Mutter-unser"-Trip zu schicken? Wie sehr könnte doch die Gottesmutter Maria das Vorbild nicht nur von gläubigen Männern, sondern auch von Frauen sein! Zugegeben, Demut ist schon immer etwas unmodern gewesen.

Für alle, die auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist getauft sind, wollen wir beten, daß ihnen Christus die Erkenntnis vom Vater schenkt!

 

 

 

 

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