Rundbrief Nr. 1 (Juli 1986)
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Sorgt euch nicht!

 

oder Verkündigung, wo gehst du hin?

von Herbert Lindner jun.

 

Ich bin Programmierer und Amateurtheologe . Trotzdem mache ich mir in letzter Zeit über dieses Thema einige Gedanken:

Es gibt Unterschiede - oft sogar Gegensätze - zwischen Jesu Predigt und dem Wort, das heute vielfach von Seinen Nachfolgern gepredigt und geschrieben wird.

Zunächst einige Aspekte von Jesu (Froh! -) Botschaft für die, die Ihm nachfolgen wollen:

Kehrt um, sündigt nicht mehr.

Sondert euch von der Welt ab. Jesus vermied energisch jede Aussage über politische oder weltliche Angelegenheiten, obwohl Ihn die Menschen damals so gern als weltlichen Erlöser gesehen hätten! Die einzige bekannte Äußerung dazu war die mit dem Zinsgroschen, als Ihn die Pharisäer hereinlegen wollten ( Luk. 20/20).

Sorgt Euch nicht um irdische Dinge, das tun die Heiden. Dies ist als Gebot zu verstehen (Math 6/31). Als sich die Apostel (sicher keine Angst­hasen) im Seesturm in einer "realen" lebensbedrohlichen Lage befanden, rügte sie Jesus wegen ihrer Ängstlichkeit (Mark 4/40).

Im Gegensatz dazu ist die Botschaft von vielen Verkündigern heute "Besorgnis“:

Z.B.: Atomstrom, Umweltschutz, soziale Ungerechtigkeit, Friedensbewegung, Arbeitslosigkeit, Apartheid, usw.

Ohne Zweifel alles wirkliche Probleme, aber eben weltliche Probleme. Dabei hat Christus als einen Grund, der das Wort Gottes aus unserem Herzen nehmen kann, ausdrücklich "die Sorgen dieser Welt" genannt. (Math .13/22) !

Es gibt heute bereits Predigten, wo die Worte "Gott" und "Christus" gar nicht mehr vorkommen, oder nur für eigene Ideen mißbraucht werden. Interessanterweise finden wir in der Bibel auch nie den Begriff "soziale Schuld", immer nur "Persönliche Schuld"! Das Ganze ist eine Folge der Säkularisierung (Verweltlichung) in unserer Kirche. Wohin diese Entwicklung führt, können wir an Beispielen wie Holland und USA leicht ablesen.

Dabei hat unsere Kirche ausdrücklich die Auseinandersetzung mit der Welt den Laien übertragen (siehe z. B. Konzilsdekret über das Apostolat der Laien) !

Aus Unsicherheit und Unwissenheit über die von Gott gewollten Aufgaben streben aber manche Priester sehr weltlichen Dingen nach (z.B. die drei Priester in der kommunistischen nicaraguanischen Regierung, die ganz offen gegen unsere Kirche kämpft), während manche Laien (Frauen, Verheiratete) wieder unbedingt Priester werden wollen. Die „Belehrungen“ an die weltlichen Systeme durch unsere Priester haben auch einige Nebeneffekte. Z. B. :

Die Botschaft Christi kommt zu kurz oder verschwindet mit der Zeit ganz.

Die persönliche Sünde des Zuhörers wird durch eine Pauschalschuld überlagert. Man hört z. B. oft, daß „wir“ Schuld sind, daß in Südamerika Menschen von Großgrundbesitzern ausgebeutet werden, oder daß einige Länder der 3. Welt verschuldet sind, u. a. m.

Etwas seltener hören wir, daß in unserem Land Katholiken (über 90% der Bevölkerung) ihre ungeborenen Kinder ermorden. Es gibt sogar „gute“ Christen, die dies ihren Mitmenschen empfehlen.

Eine rein menschliche Nebenerscheinung ist. folgende:

Sollte zufällig ein jeweiliger Fachmann (z.B. für Mikroelektronik oder für Wirtschaftspolitik usw.) so eine Predigt hören oder lesen, besteht die große Gefahr, daß sich der Priester lächerlich macht.

Auch wenn es weltfremd klingt, möchte ich, Ihnen aus meinem Leben bezeugen: Die Botschaft Christi ist wahr: „Sorgt Euch zuerst um das Reich Gottes, alles andere wird Euch geschenkt“!

Versuchen Sie es doch einmal; unser Vater im Himmel freut sich, wenn sich seine Kinder ganz auf Ihn verlassen, er weiß ja daß wir das alles brauchen. . . . .